Kommentar: 25 Jahre Presseclub in der ARD

Wie jeden Sonntag pünktlich 12 Uhr und direkt nach der „Sendung mit der Maus“ heißt es auch am 16.12.2012 wieder „Herzlich Willkommen beim Presseclub“. Das tatsächlich spannende Thema dieser Presseclub-Sonderausgabe lautet „Nah an der Politik, weg von der Wirklichkeit? Politischer Journalismus auf dem Prüfstand“. Die geladenen Gäste sind keck kombiniert: Bundestagspräsident Norbert Lammert, Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo, Historiker Paul Nolte und Publizistin Wibke Bruhns sitzen an einem Tisch mit dem Moderator Jörg Schönenborn (Chefredakteur des WDR). Zusammen genommen lassen beide Faktoren auf eine dynamische Diskussion hoffen.

Nach einem kurzen und amüsanten Rückblick der vergangenen 60 Jahre poltischer Diskussion in der ARD, folgt der Einstieg in die zunächst schleppende Unterhaltung. Ach, machen wir uns nichts vor: Eigentlich bleibt sie auch schleppend. Allerdings sehr informativ zumindest für mein Kommunikationswissenschaftlerinnen-Herz, welches vor Freude in die Luft springt bei dem großen Anteil an Metabenen-Diskussionen. GO kultiviert anmutende Debatte über das Mediensystem, GO seicht dargestellte Kontroverse der vierten Macht. Doch plötzlich kommt mir der gute alte Idealismus in die Quere: Das kann ja wohl nicht wahr sein, jetzt mal Butter bei de Fische und nutzt doch bitte diese Gelegenheit öffentlich Selbstkritik zu äußern.

Passierte ja dann auch, verhalten, aber erkennbar! Fazit: keins. Zumindest zieht Jörg Schönenborn keins. Er stellt fest, dass man sich auf beiden Seiten bemüht. Mein persönliches Fazit: ja, die Zeiten ändern sich. Wahrscheinlich war die Berichterstattung über die Unterschiede der einzelnen Parteien in der Vergangenheit vielfältiger, da greifbarer, und Politik an sich einfach mal konkreter (Danke Wibke Bruhns für diesen Einwand). Nachvollziehbar ist auch der Gedanke von Georg Mascolo, dass Politik und Journalismus möglicherweise wieder ein bisschen mehr Distanz bewahren sollten, einerseits aus Gründen des gegenseitigen Respekts, andererseits damit jeder seiner Berufung unbefangen nachgehen kann. Damit der Entertainmentfaktor eben nicht auf der Prioritätenliste vor tiefgründig recherchierten Themen steht, so wie von Norbert Lammert kritisiert.

Ach und: Mit Wibke Bruhns war wenigstens eine Medienakteurin auf dem Podium vertreten. Schade eigentlich, dass das Geschlechterverhältnis nach wie vor sehr unausgewogen zu sein scheint.

+++

Die gesamte Sendung kann man sich in der Mediathek ansehen.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s