Merke: -chen und -lein machen Worte klein.

Liebe Germanist/innen, Sprachwissenschaftler/innen und vielleicht auch Ethnolog/innen,

chen und –lein machen ein Wort klein. Diesen Merksatz habe ich vor kurzem gelernt. Natürlich wusste ich auch schon vorher über Verniedlichungsformen, sogenannte Diminutive, Bescheid und verwende sie ja auch regelmäßig, eigentlich ständig, was mein Umfeld manchmal zur Weißglut bringt. Bei so vielen Schätzeleins und Herzchens um mich herum ist das aber auch gar kein Wunder. Allerdings möchte ich dem Merksatz noch eine Regel hinzufügen, denn in meinem Sprachgebrauch darf ein gepflegtes Horschti nicht fehlen. Also neuer Merksatz: -i, -chen und -lein machen ein Wort klein.

Und dann neulich am Frühstückstisch:

Er: „Ist dir eigentlich schon mal aufgefallen, dass es in der deutschen Sprache ganz viele Verniedlichungsformen gibt, aber kaum eine Sprachform, die ein Substantiv oder Namen oder so GRÖßER macht?“

Sie: „Stimmt total. Das ist ja echt mal eine interessante Frage, SchatzI.“

Er: „Da gibt es doch auch diesen Merksatz …“

Der Rest ist Geschichte und steht am Anfang dieses Beitrags.

©photocase - Nicco

Wie ist das denn nun mit der Vergrößerungsform in der Sprache? Der Duden bietet als Antonym von Diminutiv das ebenso schön klingende Augmentativ an, nennt aber kein Beispiel. Bei der weltweiten Recherche im Netz erfahre ich einige augmentative Momente und lasse mich begeistern durch Vorschläge anderer Sprachen, wie zum Beispiel durch das Spanische, wo aus botella (Flasche) ein feines botellón (große dicke Flasche) wird. Sehr, sehr spannend. Und dann komme ich natürlich wieder zurück auf das Ohrläppchen oder auch das Brötchen (jaaaa, auch ein Diminutiv) und finde immernoch keine Antwort auf die Frage: Gibt es im deutschen Sprachgebrauch auch Augmentative oder neigt die Umgangssprache dazu Verniedlichungen zu bevorzugen?

Wikipedia hilft ein bisschen, indem es ganz neutral feststellt: “ Die im Deutschen gebräuchliche Vorsilbe Un, wie z. B. bei Unzahl, Unsumme, Unmenge oder Untier, wird in diesen Beispielen nicht zur Negation gebraucht, sondern als augmentatives Präfixoid mit der semantischen Bedeutung „groß“. Bei einigen Zahlwörtern kann auch das Präfixoid aber das Augmentativ ausdrücken, wie z. B. bei Abertausende.“

Irgendwie stellt mich das nicht zufrieden, ist mir nicht raffiniert genug. Meine Recherche schließe ich hier ab und bin ein wenig enttäuscht. Werde jetzt wohl mal eine Mail an meine Freundin D. schicken, das Liebchen. Sie ist Germanistin.

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